/ st.galler tagblatt, 13.12.04
 
ein «polytönendes» spektakel
«hop o'my thumb» feierten mit ihrem jüngsten streich «triopolis» ostschweizer premiere in lichtensteig
 
lichtensteig. die st.galler daumenhüpfer – jetzt zu dritt – zogen ihr publikum einmal mehr in den bann. seis mit heissem rap, tango, rock oder amüsant-makabrem «stimmengefecht». / sandra egli
 
in münchen starteten sie ihre «triopolis»-tour, präsentierten ihr neues programm «stimmenfeuer» dann in bern und kamen am donnerstag und freitag ins toggenburg, um im «chössi»-theater lichtensteig ostschweizer premiere zu feiern. franziska schiltknecht, alessandro zuffelato und tino ulrich haben bewiesen, dass sie, neu unter der regie von tom ryser, auch als trio begeistern können.
 
«piazza grande» / als blaskapelle in schwarzweiss treten die drei ihre vorpremiere am donnerstagabend an – wärmen ihre stimmbänder mit einer fanfare, dann mit nervösem geplapper auf. ists italienisch oder spanisch? verstehen kann sie das publikum nicht. doch wähnt es sich auf einer «piazza grande», inmitten einer riesigen, irgendwie südländischen menschentraube. hier wird fröhlich erzählt, dort werden die hände verworfen, gelacht oder sich geräuspert, hin und her gerannt, gehüpft. das publikum schmunzelt ob der wirren szene. herausgelöst aus dem turbulenten treiben stimmt tino ulrich sein «mund-schlagzeug» an, intoniert einen basslauf, spielt tom, snare und becken heimlich auf den sampler ein – dann wird richtig losgelegt. während ulrichs beat brav «loopt», tanzen die drei ausgelassen hip-hop, bespicken den eingespielten rhythmus mit immer neuen stimm-effekten. es wird «gescratcht», gesungen und gesprochen, bis ein satter, mitreissender rap über die bühne fegt.
 
«schnägg-rap» bis tango / abrupter szenenwechsel: melancholisches wie «wünsch mir, wär z oberscht uf äm bärgspitz», weit weg von dem, was einen bedrücke, bis zu kuno laueners «i schänke dir mis härz» wird angestimmt. ein medley aus pop- bis volksliedern – gar das «chrüücht es schnäggli» im kanon, findet in diesem potpourri platz und entlockt den zuhörenden ein herzhaftes lachen. dann wieder weg vom zierlichen gesang, zurück zum stimmenscratch von alessandro zuffelato: «jo men, das isch dä schnägg-rap», tut er mit englischem akzent ins mikrofon, «what a schnägg!», ruft er, der sich in der rolle des coolen streetdancers mit nackten oberarmen sichtlich wohl fühlt.
 
eifersucht bis zum kampf / feuriger wirds beim tango – dann, wenn die schöne «alessandra maria gracia» um die liebesgunst von «manuel suffelato» wirbt und ihren angetrauten «toni müller» kaltblütig stehen lässt. dieser grollt und zischt ins mikrofon, während sich «maria» und «manuel» eng umschlingen und leidenschaftlich küssen. mal untermalt mit dreistimmigem bossa-nova, dann wieder mit feurig-virtuosem solo-gesang der «diva» und immer mit passendem schlagzeug und «special effects» wird das publikum in den bann gezogen. ein ausgefeiltes säbelrasseln dann von zuffelato und ulrich, den beiden «spaniern», die sich im kampf um die frau zum duell herausfordern. erst mit messern und pfeilen, die man durch die luft schwirren und in der wand stecken bleiben hört. dann fahren die beiden streithähne ganze geschütze auf, bauen imaginär ihre kampfmaschinen zusammen, die eine grösser als die andere. surren, klicken, einrasten, ziel ansteuern – jede bewegung wird vertont – ein amüsant-makabres «stimmengefecht».
 
rock'n'roll im wilden westen / seis mit ihren verspielten animationen – zum beispiel das aufnehmen von publikumsstimmen und dazu improvisieren – oder mit ihren witzigen geschichten und natürlich ihrer ungeheuren stimmenvielfalt: die st.galler daumenhüpfer schafftens mit leichtigkeit, das «stimmenfeuer» zu entfachen. wenn auch für einige zuhörer elemente wie wirbelwind, «das lied vom tod» oder «galoppierendes pferd» im wilden westen nicht mehr ganz so neu waren. knackigen boogie-woogie zu intonieren und dazu rock'n'roll zu tanzen – dies wiederum überraschte in der western-szene. und heftiges mitklatschen aus den zuschauerrängen war franziska schiltknecht, alessandro zuffelato und tino ulrich jedenfalls gewiss, die mit ihrem neuen programm und ohne chrischta ganz, ein «polytönendes» spektakel präsentieren.
 
«andere dynamik» / seit 8 jahren stehen franziska schiltknecht, tino ulrich und alessandro zuffelato mit «hop o'my thumb» auf der bühne. 2003 verabschiedete sich die band von urmitglied chrischta ganz, sängerin, texterin und geschäftsleiterin der bandeigenen gmbh. «es ist klar, dass mit nur einer frau eine andere dynamik entsteht», sagt sängerin fanziska schiltknecht im bezug auf ihr neues programm «triopolis – stimmenfeuer». die ideen für das neue programm seien geflossen wie noch nie, meint sie, die auf der bühne von den beiden männern sichtlich umgarnt wird. jedoch: «wir schaffen immer wieder daran». oft entstünden schon während der aufführung neue ideen und auch die «dreiecksbeziehung triopolis» lebe schliesslich von der improvisation. (seg)


/ thurgauer zeitung, 14.12.2004
 
drei stimmen gut kombiniert
 
nach der premiere in lichtensteig gastierte hop o'my thumb mit dem neuen programm «triopolis» in der löwenarena. / rudolf steiner
 
sommeri – wieder einmal bis auf den letzten platz besetzt war am samstag der saal in der löwenarena in sommeri. 90 minuten pausenloses stimmenfeuer und fast ununterbrochenes klangfeuerwerk wurde dem publikum geboten. dabei hat sich die vokalgruppe - das etikett a cappella haben sie durch stimmenfeuer ersetzt – im vergangenen jahr erst noch verkleinert und aus dem hop-o'-my-thumb-quartett ist ein trio geworden. wer nun aber glaubt, dass durch den wegfall der stimme von chrischta ganz das niveau der gruppe um etwa einen viertel an gehalt verloren hätte, sah sich gewaltig getäuscht. denn die drei st. galler vokalisten franziska schiltknecht, alessandro zuffellato und tino ulrich, die seit dem anfang vor acht jahren zu den hüpfenden däumlingen gehören, überzeugten in ihrem neuen programm «triopolis» sowohl vokal als auch darstellerisch.
 
bis es aber so weit war, machten die drei st.galler stimm- und vokalartisten nach eigenen aussagen eine schmerzhafte entwicklung durch, nachdem die songs zu dritt einfach nicht mehr so klangen wie vorher. diese erfahrung war aber zugleich chance und geburtsstunde für ihr neues programm, das praktisch aus lauter neuen stimm- feuern und klangfeuerwerken von volksliedern über latinosongs und blues bis zu reggae und rap besteht. so lösten sie bereits schon ganz am anfang mit dem schnäggli-rap wahre begeisterungsstürme aus. und diese angeheizte und elektrisierende stimmung steigerte sich praktisch von minute zu minute.
 
währenddem sangen, hauchten, röchelten, schnauften, bliesen, schnalzten, zirpten, schrien, vibrierten, atmeten und klopften mit einer kaum mehr zu steigernden, erstaunlichen zungenfertigkeit und facettenreicher artikulation und intonation ins mikrofon. dabei scheinen sie nach dem beizug von regisseur thomas ryser – er arbeitet auch mit ursus und nadeschkin zusammen – schauspielerisch und tänzerisch gewonnen zu haben, ihre songs und geschichten kommen fast wie aus einem guss daher. trotzdem präsentierten sie  ihre songs von romantisch bis gewagt aber immer locker und überzeugend und mit einem gehörigen schuss selbstironie.

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stand: 10.03.07 | jj